Kurz gesagt
- Eine NC1-Datei ist eine Textdatei, die ein Stahlbauteil (Profil oder Blech) für CNC-Maschinen beschreibt.
- Das Format stammt vom Deutschen Stahlbau-Verband (DSTV). Übliche Endung:
.nc1(auch.nc). - Blöcke:
STKopf,AKAußenkontur,IKInnenkontur,BOBohrungen,SISignierung,KAKantung,PU/KOMarkierungskonturen,ENEnde. - Erzeugt von Tekla Structures, Advance Steel, SDS2, Bocad, HiCAD, StruCAD, ProSteel; gelesen von CNC-Träger-, Bohr- und Sägeanlagen.
- Kostenlos öffnen mit dem NC1 Viewer.
Was ist eine DSTV-NC1-Datei?
Eine NC1-Datei ist eine Textdatei im DSTV-NC-Format. DSTV steht für Deutscher Stahlbau-Verband, der den Standard für den Austausch numerisch gesteuerter (NC-)Daten von Stahlbauteilen herausgegeben hat. Jede NC1-Datei beschreibt genau ein Bauteil – ein Walzprofil oder ein Blech: Werkstoff, Maße, Außenkontur, Bohrungen, Ausschnitte und Kennzeichnungen. Im Stahlbau ist die NC-Datei der übliche Weg, Bauteildaten an CNC-Maschinen zu übergeben.
Die Datei hat üblicherweise die Endung .nc1 (ältere Systeme verwenden auch .nc). Im Alltag spricht man auch von einer DSTV-Datei oder DSTV-NC-Datei – gemeint ist dasselbe. Es ist reiner Text, jeder Texteditor öffnet sie – die Zahlen ergeben aber erst Sinn, wenn man den unten erklärten Aufbau kennt. Um das Bauteil statt der Zahlen zu sehen, nutzen Sie den kostenlosen NC1 Viewer.
Aufbau einer NC1-Datei: die Blöcke
Eine NC1-Datei besteht aus einer Folge von Blöcken. Jeder Block beginnt mit einem zweistelligen Kürzel in einer eigenen Zeile, danach folgen die Datenzeilen. Zeilen, die mit ** beginnen, sind Kommentare.
| Block | Name | Inhalt |
|---|---|---|
ST | Kopfdaten | Bauteildaten: Auftrag, Zeichnung, Position, Güte, Anzahl, Profil, Maße, Gewicht, Schnittwinkel |
AK | Außenkontur | Umriss einer Fläche des Bauteils |
IK | Innenkontur | Ausschnitte innerhalb einer Fläche (Fenster, Schlitze, Öffnungen) |
BO | Bohrung | Bohrungen, auch Langlöcher, Senkungen und Gewinde |
SI | Signierung | Beschriftungstext, zum Beispiel die Positionsnummer |
KA | Kantung | Kantlinien für gekantete Bleche und Biegeteile |
PU | Pulvermarkierung | Markierungslinien, aufgebracht mit Pulver oder Farbe |
KO | Körnermarkierung | Markierungslinien, mit dem Körner gesetzt |
EN | Ende | Ende der Datei |
ST – der Kopfblock
Der erste Block jeder NC1-Datei ist ST. Nach der Zeile ST und einer optionalen Kommentarzeile folgen die Kopfwerte, ein Wert pro Zeile in fester Reihenfolge. Maße sind in Millimetern und mit Dezimalpunkt geschrieben.
| Nr. | Feld | Beispiel | Einheit / Hinweis |
|---|---|---|---|
| 1 | Auftragsnummer | 1001 | |
| 2 | Zeichnungsnummer | D-12 | |
| 3 | Phase | 1 | |
| 4 | Positionsnummer | B1 | |
| 5 | Werkstoffgüte | S355J2 | |
| 6 | Anzahl | 4 | Stück |
| 7 | Profilbezeichnung | HEA200 | |
| 8 | Profilkennung | I | siehe Tabelle unten |
| 9 | Länge | 2000.00 | mm |
| 10 | Profilhöhe | 190.00 | mm |
| 11 | Flanschbreite | 200.00 | mm |
| 12 | Flanschdicke | 10.00 | mm |
| 13 | Stegdicke | 6.50 | mm |
| 14 | Radius | 18.00 | mm |
| 15 | Gewicht pro Meter | 42.300 | kg/m |
| 16 | Anstrichfläche pro Meter | 1.140 | m²/m |
| 17–20 | Schnittwinkel: Steg Anfang, Steg Ende, Flansch Anfang, Flansch Ende | 0.000 | Grad (0 = gerader Schnitt) |
Bei anderen Profilen als I-Trägern werden die Maßfelder je nach Profiltyp belegt; nicht zutreffende Felder sind null.
Profilkennungen
| Kennung | Profiltyp | Beispiele |
|---|---|---|
I | I- und H-Profile | IPE, HEA, HEB, HEM |
U | U-Profile | UPN, UPE |
L | Winkelprofile | L 100×100×10 |
M | Rechteck- und Quadratrohre | RHS, SHS |
RO | Rundrohre | CHS |
RU | Rundstäbe | |
B | Bleche und Flachstähle | |
C | C-Profile | |
T | T-Profile |
Flächen und Koordinaten: v, o, u, h
Jede Kontur, Bohrung und Beschriftung gehört über einen Buchstaben am Zeilenanfang zu einer Fläche des Bauteils:
| Buchstabe | Fläche | Beim I-Träger |
|---|---|---|
v | vorn | der Steg von vorn gesehen |
o | oben | der obere Flansch von oben gesehen |
u | unten | der untere Flansch von unten gesehen |
h | hinten | der Steg von hinten gesehen |
X verläuft in Längsrichtung vom Bauteilanfang, Y quer über die Fläche. Für Winkel, U-Profile, Rohre und Bleche legt der Standard fest, welche Oberfläche der jeweilige Buchstabe meint. Ein Viewer zeigt das Ergebnis sofort; im NC1 Viewer lässt sich das Bauteil auch um die X-Achse drehen, um es von hinten zu betrachten.
AK und IK – Außen- und Innenkontur
AK ist die Außenkontur einer Fläche: ein geschlossenes Polygon aus Punkten, jeweils mit X, Y und optional einem Eckenradius. Bei einem gerade geschnittenen Träger ist es ein einfaches Rechteck; Gehrungsschnitte, Ausklinkungen und Aussparungen erscheinen als zusätzliche Punkte.
IK ist eine Innenkontur: ein geschlossener Ausschnitt innerhalb einer Fläche – ein Fenster, ein Schlitz oder eine größere Öffnung. Ein Bauteil kann mehrere AK- und IK-Blöcke haben, je einen pro Fläche und Kontur. Bei Blechen werden Löcher für Laser- oder Plasmaschnitt manchmal als runde IK-Konturen statt als BO-Bohrungen geschrieben.
BO – Bohrungen, Langlöcher, Senkungen und Gewinde
Jede BO-Zeile beschreibt eine Bohrung: die Fläche (v, o, u oder h), die X-Position in Längsrichtung, die Y-Position quer zur Fläche und den Durchmesser. Buchstabenkennungen markieren besondere Bohrungen:
s– Senkung;g– Gewinde;l– Langloch (Oval), mit weiteren Werten für den Schlitz.
Da Bohrungen der Teil der NC1-Datei sind, den eine Bohranlage tatsächlich verwendet, ist die Lochtabelle im Viewer das Erste, was man prüfen sollte.
SI, PU, KO und KA – Markierung und Kantung
SI enthält Beschriftungstext: Fläche, X, Y, Drehwinkel, Texthöhe und den Text selbst – typischerweise die Positionsnummer und weitere Kennzeichnung. PU und KO sind Markierungskonturen (Pulver- und Körnermarkierung): Linien auf der Oberfläche, zum Beispiel der Umriss eines Anschlussteils, das aufgeschweißt wird. KA beschreibt Kantlinien für gekantete Bleche und Biegeteile.
Eine minimale NC1-Datei, Zeile für Zeile
Dieses vereinfachte Beispiel beschreibt vier HEA200-Träger von 2000 mm Länge mit zwei Bohrungen und einem Beschriftungstext:
ST
** example.nc1
1001
D-12
1
B1
S355J2
4
HEA200
I
2000.00
190.00
200.00
10.00
6.50
18.00
42.300
1.140
0.000
0.000
0.000
0.000
AK
v 0.00 0.00 0.00
2000.00 0.00 0.00
2000.00 190.00 0.00
0.00 190.00 0.00
0.00 0.00 0.00
BO
v 150.00 95.00 22.00
v 1850.00 95.00 22.00
SI
v 50.00 30.00 0.00 15 B1
EN- ST – Auftrag 1001, Zeichnung D-12, Phase 1, Position B1, Güte S355J2, Anzahl 4, Profil HEA200 vom Typ I, Länge 2000 mm, Höhe 190 mm, Flansch 200 mm breit und 10 mm dick, Steg 6,5 mm, Radius 18 mm, 42,3 kg/m, 1,14 m²/m und vier Schnittwinkel von null (gerade Enden).
- AK – der Umriss der Stegfläche (v): ein Rechteck 2000 × 190 mm, geschlossen durch Wiederholung des ersten Punkts.
- BO – zwei Bohrungen Ø22 im Steg, 150 mm von jedem Ende (X = 150 und 1850), mittig über den Steg (Y = 95).
- SI – der Text „B1“ auf dem Steg.
- EN – Dateiende.
Wer erzeugt NC1-Dateien? So entsteht eine DSTV-Datei
Eine DSTV-Datei erstellen Sie in der Regel nicht von Hand. Sie entsteht per NC-Export aus dem 3D-Modell in Stahlbau-Detaillierungs- und CAD-Software wie Tekla Structures, Advance Steel, SDS2, Bocad, HiCAD, StruCAD und ProSteel – bei Tekla etwa als Tekla-NC1-Export. Auch Zusatzmodule für andere CAD-Programme können DSTV exportieren.
Liegt Ihnen nur eine 2D-Zeichnung eines Bauteils als DXF vor (DWG speichern Sie zuvor als DXF), erzeugt der geplante CutForge Converter daraus die NC1-Datei.
Wer liest NC1-Dateien?
NC1-Dateien lesen CNC-Maschinen für den Stahlbau: Trägerbohranlagen, Bohr- und Sägeanlagen, Kopier- und Profilschneidmaschinen sowie Blechbohr- und Schneidanlagen – von vielen Herstellern, zum Beispiel Ficep, Voortman, Kaltenbach oder Peddinghaus. Die Maschinensoftware macht aus der Geometrie in der Datei die Werkzeugbahnen.
Auch andere Software liest NC1-Dateien: Fertigungsplanungs- und Nesting-Systeme sowie Zuschnittoptimierung wie CutForge, das Profile, Längen und Stückzahlen direkt aus den Dateien übernimmt. Und es gibt Viewer wie den kostenlosen NC1 Viewer.
NC1-Datei öffnen – auch ohne Tekla
- Texteditor. Der Editor oder jeder andere Texteditor öffnet die Datei und zeigt die Struktur – aber nicht das Bauteil.
- NC1 Viewer online (kostenlos). Öffnet die Datei direkt im Browser und zeichnet das Bauteil als 2D-Ansicht aller Flächen mit Bohrungstabelle – ohne Registrierung, ohne Upload. Ausprobieren können Sie ihn auf der Seite NC1 Viewer. Der Desktop-Viewer für Windows mit Messen und PDF-Druck wird unter cutforge.eu erhältlich sein.
- Das erzeugende System. Tekla, Advance Steel und ähnliche Programme können die Datei anzeigen, man braucht sie aber nicht, nur um eine NC1-Datei anzusehen.
Eine DSTV-Datei öffnen Sie auf demselben Weg – NC1 und DSTV bezeichnen dasselbe Format.
Varianten und Stolperfallen
- Das DSTV-Format gibt es in mehreren Ausgaben, und nicht jedes System schreibt genau denselben Dialekt – Details im Kopf, optionale Werte, Anzahl der Nachkommastellen. Strenge Maschinensoftware kann eine Datei ablehnen, die ein Viewer korrekt anzeigt; schneiden Sie daher zuerst ein Testteil.
- Löcher in Blechen werden manchmal nicht als BO, sondern als runde Innenkonturen (IK) geschrieben – eine Konvention für Laser- und Plasmaschnitt.
- Ein von der anderen Seite gezeichnetes Bauteil kann auf der Maschine gespiegelt herauskommen. Vergleichen Sie die NC1-Zeichnung vor dem Zuschnitt mit der Auftragszeichnung.
NC1 oder DXF – der Unterschied
DXF ist ein allgemeines Austauschformat für 2D- und 3D-CAD-Zeichnungen: Linien, Bögen, Kreise und Text. Es kennt keine Stahlprofile, Güten oder Flächen. Eine NC1-Datei ist eine Bauteilbeschreibung für die Fertigung: Profilbezeichnung, Güte, Anzahl, Flächen und Bohrungen.
NC1 in DXF: Der kostenlose NC1 Viewer zeigt NC1-Dateien an (der Desktop-Viewer misst und druckt sie auch), schreibt aber kein DXF. Der Export von Blechen als DXF im Maßstab 1:1 für Laser- oder Plasmaschneiden gehört zum geplanten CutForge Converter. DXF in NC1: Das Programm muss Profil, Flächen und Bohrungen in der Zeichnung erkennen – auch dafür ist der Converter gedacht.